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Interview mit Flokati von L’âme Lazuli

Geschrieben am 18.05.2015 von Mari in Interviews

Wenn man gerade die düsteren Stile von Lolita mag, entdeckt man einfach über kurz oder lang auch Flokati. Ihre Outfits sind immer richtig schön und detailverliebt und gerade bei ihren Stücken von L’âme Lazuli kann man immer wieder neue, tolle Kleinigkeiten finden und man merkt schnell, dass sie einfach ein Händchen für düstere Sachen hat. Und da wir hier bei myHarajuku im Team auch sehr viele sind, die die eher dunklen Stile lieben freuen wir uns sehr, sie interviewen zu dürfen!

 

1. Seit wann trägst du diesen Stil, wo hast du ihn kennengelernt und was ist dein Lieblingstil?

 

Im Grunde könnte ich jede Teilfrage mit „Mana“ beantworten. Wie einige andere Lolitas auch bin ich über Mana (Begründer des Modelabels Moi-même-Moitié und Namensgeber des Gothic Lolita-Stils), zu Lolita gekommen, allerdings ging es bei mir mit Cosplay Hand in Hand und lange Zeit war das Eine für mich fast wie das Andere, weil es sich in Mana vereint. Zudem gab (und gibt) es mir die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren. Was für viele Lolitas Mode-technisch ein No-Go wäre, ist für mich ein Balanceakt am Rand des Akzeptablen. Und wenn’s mal schief geht, dann ist es eben Cosplay ;]
Lolita habe ich bewusst als Lolita erst ab 2011 getragen, auch wenn ich meine erste Coord bereits 2007 ausgeführt habe. Mein Lieblingsstil ist ganz klar Gothic, obwohl ich in letzter Zeit auch viel Classic getragen habe.

 

Fotograf: Claudia M. Stahl

 

2. Wenn du an dein allererstes Outfit zurückdenkst – wie sah es aus und wie denkst du dir heute dazu?

 

Wie oben bereits erwähnt, habe ich meine erste Coord mit einem anderen Ziel und Bewusstsein getragen. Es ging nicht um Lolita als Stil, sondern um eine Vorbereitung um das bevorstehende Mana-Cosplay. Es war ein schwarzes, langärmliges OP aus einem Gothicladen und ein passendes, selbstgenähtes Headdress dazu. Die Coord war simpel, aber für damalige Verfügbarkeiten normal und demnach auch völlig dem Ziel entsprechend. Ich denke also beruhigt daran zurück.

 

3. Gibt es etwas, bei dem du dir dachtest „das trag ich NIE!“ und später hast du es dann doch hin und wieder getragen?

 

Die Antwort wird vielleicht einige verblüffen, aber wer mich kennt und oben gut aufgepasst hat, weiß, wie ich darauf komme: Mein Lächeln ;D

 

4. Du hast ein eigenes Label – L’âme Lazuli. Wie kam es dazu und was bedeutet der Name?

 

Der Name bedeutet soviel wie „Die Seele Lazuli“, also eine blaue Seele. Ich liebe die Farbe Blau sehr und es zeigt deutlich den Bezug zu meinen Wurzeln. Witzigerweise verbinden selbst Leute die mich kaum kennen bereits die Farbe Blau mit mir, also ist es gut, wenn dadurch auch der Name des Labels Bezug zu mir hat.

 

L'âme Lazuli

 

Die Idee dazu kam mir, weil ich quasi immer alle Headdresses selbst gemacht habe. Zu den Kleider von Moi-même-Moitié gab/gibt es nur sehr selten Headdresses zu kaufen, also musste ich immer selbst ran, wenn ich eine neue Coord gebraucht habe. Es macht mir immer viel Spaß, das Kleid im Miniformat für den Kopf zu gestalten – mit einem tollen Headdress hat man das I-Tüpfelchen der Coord.

 

Fotograf: b1nh  Model: Charlotte, Auftragsarbeit

 

5. Wo holst du dir die Inspirationen für deine Designs her?

 

Von überall. Ich habe eine riesiges Sortiment an Kleinkram und Schmuck, aber meistens beginnt es mit der Spitze. Diese ist essentiell wichtig und legt den Grundstein für das spätere Design und die Größe des Headdresses. Dann wird ausprobiert. Was am besten passt, tragbar und gut kombinierbar ist, wird schließlich in die Tat umgesetzt.

 

6. Bei L’âme Lazuli findet man ja hauptsächlich unterschiedliche Headdresses. Planst du das ganze noch auf andere Kleidungsstücke auszuweiten oder möchtest du dich lieber auf Headdresses spezialisieren?

 

Erstmal nur Headdresses. Das hat vor allem zeitliche Gründe. Ich habe einen Haushalt und einen Vollzeitjob und dann organisiere ich noch viel bei Veranstaltungen. Da bleibt zum Nähen leider nicht viel Zeit. Ab und an mache ich auch mal einen Rock oder ein Kleid, aber das ist oftmals für den Eigengebrauch und eher selten.

 

Fotograf: Rebecca M. Stutz

 

7. Über Lolitas gibt es ja viele Vorurteile. Was ist dein „Lieblingsvorurteil“ und bei welchem greifst du dir einfach nur an den Kopf?

 

Ein „Lieblingsvorurteil“ habe ich nicht, aber ich finde, dass manchmal etwas Selbstironie nicht schaden könnte. Hübsch wollen wir alle sein, aber warum nicht mal ein bisschen anders oder lockerer? Sagt euch diejenige, die jahrelang nur mit Mana-Schminke herumgelaufen ist – ich liebe Selbstironie XD Was ich sagen will: nehmt nicht immer alles so ernst.

 

8. Was hättest du dir gewünscht, hättest du von Anfang an gewusst?

 

Nichts. Ich bereue nichts, weil ich nie mit meiner Leistung unzufrieden war. Ich habe mir nichts vorzuwerfen und stehe zu allem, was ich gemacht habe.

 

9. Was ist dein bisher schönstes Erlebnis in Lolita? Und was dein kuriosestes?

 

Mein schönstes Erlebnis ist natürlich, dass ich meinen Mann kennengelernt habe. Aber es gibt noch viele schöne andere Erlebnisse. Ich habe das Glück, bei vielen Projekten aktiv mitmachen zu dürfen und das macht mir sehr viel Spaß. Besonders habe ich mich über die Aufnahme in das Buch „Shades of Wonderland“ gefreut. Schaut mal rein, es lohnt sich ;]

 

Fotograf: Martin Hola

 

10. Was würdest du angehenden Lolitas oder am Stil Interessierten für einen Tipp mit auf den Weg geben?

 

Anfänger haben es zum Einen leichter und zum Anderen schwerer als früher. Es ist viel einfacher geworden, sich entsprechende Kleider, Accessoires oder Perücken zu besorgen. Im Gegensatz dazu sind die Ansprüche auf einem sehr hohen Niveau. Ich habe daher zwei Tipps für angehende Lolitas:
Probiert erstmal etwas für euch alleine Zuhause aus. Keine Selfies, keine FB-Posts, keine Webcam oder ähnliches. Nur ihr und der Lolita-Stil, ohne etwas, dass euch ablenkt. Ihr werdet euch viel mehr auf euch konzentrieren. Wenn ihr euch dann selbst im Spiegel gefallt, ihr mit eurem Erscheinungsbild rundumzufrieden seid, ist das der Moment nach draußen zu gehen. Ihr werdet mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein nach draußen gehen, wie wenn eure Versuche bereits im Internet kommentiert worden sind. Besonders den jüngeren Einsteigerinnen würde ich das sehr ans Herz legen wollen.
Zum Anderen: Benutzt Make-up! Für Lolita ist mit Make-up immer besser als ohne. Wieviel Make-up ihr benutzen wollt, sei euch überlassen. Auch natürlich geschminkte Looks werden immer gerne gesehen.

 

Wo bekommt man L’âme Lazuli Stücke und wo solls in Zukunft mit der Marke hingehen?

 

Vorerst kann man Stücke nur auf Tombolas ergattern (meist durchgeführt auf Veranstaltungen des CandyDay-Lolitazirkels). Die Teilnahme an Events wie Dokomi oder AnimagiC kann ich dieses Jahr leider nicht durchführen. Ich arbeite aber feste daran, wieder ein Sortiment aufzubauen und den Verkauf wieder anzukurbeln :]

 

 

Fotograf: Martin Hola

 

Flokati ist zur Zeit 29 Jahre alt und arbeitet als Sales Assistant für pharmazeutische Transportstoffe. Ihre Lieblingsmarke ist, wie man schon vermuten konnte, Moi-même-Moitié, aber sie mag es auch andere nicht-Lolita-Marken mit ihren Coords zu kombinieren – zb. Ted Baker oder The Kooples. Ihr Lieblingsteil im Kleiderschrank ist der Jewelry Print Highwaist Rock und ihr absolutes Traumteil ist ihr Front Cross Chiffon Sundress – denn: Es ist einfach wunderschön – und blau XD

 

Guckt euch unbedingt auch ihre Deviantart-Seite an!