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Interview mit Carmen von Li-Paro und Rumour & Whisper

Geschrieben am 27.04.2015 von Mari in Interviews

Fotograf: Momo Kyuuke

 

Heute dürfen wir euch wieder eine Designerin vorstellen – diesmal Carmen von Li-Paro und Rumour & Whisper. Zusammen mit ihrem Illustrator Momo Kyuuke betreibt sie ihr Label Li-Paro, welches schon sehr bekannt in der Lolitaszene ist. Vielleicht habt ihr sie schonmal gesehen – sie ist auch auf vielen Conventions und Events mit einem Stand vertreten! Doch auch für die Visual Kei Fans bietet sie bei ihrem Label „Rumour & Whisper“ einiges. Guckt mal rein!
Die 25jährige supertalentierte Modedesignstudentin gibt uns nicht nur in ihren Lolitaalltag einen Einblick sondern auch, wie es ist, sein eigenes Label zu haben. Viel Spass mit dem Interview!

 

1. Wann hast du mit Lolita angefangen und was hat dich daran fasziniert?

 

Auf Lolita bin ich ca. 2003 durch eine Zeitschrift aufmerksam geworden. Allerdings habe ich mich erst drei Jahre später getraut Lolita zu tragen. Davor war ich einfach zu jung und hatte zu große Angst davor was andere über mich sagen könnten. Irgendwann war dann die Neugierde und das Interesse zu groß und ich habe mich einfach rangetraut. Mit eher schlechten Versuchen, aber jeder fängt mal an.
Mich haben die Spitzen und die Detailliebe, die in jedem Outfit sind, fasziniert. Es ist immer wieder schön zu sehen, wieviele Dinge an einem Outfit zu entdecken sind, Muster oder Motive die sich wiederholen, ein Spiel mit den Kontrasten oder oder oder. Da könnte ich unendlich erzählen.

 

Fotograf: Momo Kyuuke

 

2. Wo holst du dir Inspirationen für deine Outfits her?

 

Früher kamen sie aus Zeitschriftenscans oder aus der Gothic Lolita Bible, mittlerweile genügen schon Stoffe, Strukturen oder Einflüsse die man von Städtetrips oder sonstigen Ausflügen mitnimmt. Dazu habe ich mir mehrere Inspirationsbücher angelegt, damit ich ja nichts vergesse. Jede kleine Sache die mich irgendwie inspiriert wird eingepackt und zuhause ausgewertet. Vor kurzem habe ich Blattskelette gefunden mit denen ich nun rumexperimentiere…

 

3. Du hast ja mittlerweile dein eigenes Label! War das von Anfang an für dich klar, dass du mal deine eigene Marke haben willst oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?

 

Als ich damals angefangen habe, wollte ich tatsächlich schon ein eigenes Label beginnen.
Von Deutschland aus war es so unglaublich schwer an Lolitakleidung zu kommen. Die Onlineshops waren noch nicht International und da habe ich mich von Beginn an gleich an die Nähmaschine gesetzt und versucht Kleidung zu nähen. Zusätzlich hatte ich natürlich auch die furchtbare Angst, dass ich nicht in die asiatischen Kleider hineinpasse…
Irgendwie kam es dann dazu, dass ich eine Ausbildung zur Maßschneiderin absolviert habe und nun ein Modedesign Studium mache. Vor Lolita habe ich Mode und sämtlichen „Mädchenkram“ gehasst, was ziemlich witzig ist, da ich jetzt total verrückt danach bin.

 

Marke: Li-Paro

 

4. Was macht dir beim Designen der Kleider am meisten Spaß?

 

Der Gesamte Arbeitsprozess ist spannend. Es ist ein tolles Gefühl etwas umzusetzen, was man ständig im Kopf oder im Skizzenbuch mit sich herumträgt.
Was aber meine absoluten Favoriten sind – Wenn meine Designs ein kleines Lächeln bei anderen erzeugen. Dieses „Oh ist das schön“ oder „Das möchte ich auch tragen“ und wenn sich die Trägerinnen mit meinen Designs wohl fühlen.

 

Marke: Li-Paro

 

5. Gibt es auch etwas, was du bei Lolitakleidung gar nicht gerne selber nähst?

 

Früher dachte ich immer, dass Chiffon eines der schwierigen Materialien ist, aber nach unzähligen Chiffonkleidern, kenne ich da keinen richtigen Schmerz mehr.
Ein neues Material hat dem Chiffon den Rang abgelaufen. Satinfutter ist ein purer Albtraum. Es flutscht und verschiebt sich wie als ob es auf der Flucht wäre.
Meine Lösung ist – so selten wie möglich mit Satinwebungen arbeiten, es sei denn es hat schöne Motive.

 

6. Lolita im Alltag – ein no-go für dich, lässt du gerne Elemente einfließen oder trägst du auch so abseits von Treffen Lolita?

 

Lolita sollte man tragen, wann immer man Lust dazu hat. Ausser wenn man auf der Arbeit einen Dresscode hat, da sollte man sich dem Arbeitgeber beugen ;]
Ich selber trage Lolita wann immer ich Lust dazu habe. In der Uni kann ich Lolita tragen und auch wenn ich spazieren oder einkaufen gehe, ziehe ich Lolita an. Es gibt aber auch Tage an denen ich zu müde bin und einfach nur zur Uni schlurfe. Da sind dann andere Modestile meine erste Wahl.

 

7. Was hättest du dir gewünscht, hättest du von Anfang an gleich gewusst?

 

Weiß ist nicht gleich weiß. Und das gilt für alle Farben. Unterschiedliche rottöne, rosatöne, cremetöne, schwarztöne usw. verderben einem echt das Traumoutfit. Aber ich denke, davon können fast alle ein Lied singen. :-}

 

8. Was ist für dich bei einem Outfit besonders wichtig und worauf legst du besonders wert?

 

Auf den Schmuck bzw. zusätzliche Verzierungen. Bei einigen Daily-Outfits hatte ich wenig bis keinen Schmuck getragen und es hat sich für mich nicht vollständig angefühlt. Irgendwie fehlt ein Teil um das Gesamtbild zu komplettieren.
Das ist vielleicht auch einer der Gründe warum ich nicht so oft Outfitbilder poste.

 

Fotograf: Momo Kyuuke

 

9. Was ist dein bisher schönstes Erlebnis in Lolita? Und was dein kuriosestes?

 

Das schönste ist es, dass ich so viele liebe Menschen kennengelernt habe. Es ist kein einzelnes Erlebnis direkt, sondern jeder kleine Moment an denen man diese Menschen trifft, die man sonst Aufgrund der unterschiedlichen Berufe usw sonst nie getroffen hätte.
Das kurioseste ist es, wenn man auf der Straße einfach von Fremden angefasst wird. Oder nach dem politischen Hintergrund der Kleidung gefragt wird. Was für eine politische Bedeutung können Spitzen, Schleifchen und komplett stimmige Outfits haben?

 

10. Was würdest du angehenden Lolitas oder am Stil interessierten für einen Tipp mit auf den Weg geben?

 

Traut euch alles zu tragen was euch gefällt. Probiert alles aus, auch wenn ihr euch nicht ganz sicher seid. Ein „was wäre wenn“ verfolgt einen doch länger als ein „Oh, darin sehe ich doch nicht so gut aus“.
Seit meiner Anfangszeit kämpfe ich mit mir wegen dem Sailor-Lolita Stil. Das ständige „Steht mir das?“ ist mein dauerhafter Begleiter. Es sieht an anderen immer so wunderschön aus, also werde ich mich demnächst auch mal daran wagen.

 

Fotograf: Momo Kyuuke

 

Und noch eine Zusatzfrage: Wo bekommt man Li-Paro Stücke und wo solls in Zukunft mit der Marke hingehn? :]

 

Li-Paro Stücke gibt es meist auf Conventions oder Lolita Events. Die folgenden sind die Dokomi 2015 und die Animagic 2015 :-}
Aber es gibt auch einen kleinen Online-Shop auf Storenvy.
Nach dem Studium würde ich mich gerne weiterhin mit dem Label beschäftigen, die Suche nach geeigneten Produktionsstätten in Deutschland habe ich bereits begonnen. In Planung sind schon einige Casual Lolita Kollektionen und punkigere Kollektionen.

 

Es würde mich freuen, wenn ich meinen jahrelangen Traum verwirklichen kann und ein kleines Label mit J-Fashion und Lolita Fashion führen könnte.

 

Fotograf: Momo Kyuuke

 

Ihre Lieblingsmarken sind Mary Magdalene und Innocent World. Ihr Lieblingsteil bei ihr im Kleiderschrank ist das Sentimental Circus Kleid und ihr absolutes Traumteil sind Baby the Stars Shine Bright Schirme. Li-Paro wie auch Rumour & Whisper könnt ihr auf Facebook verfolgen, wo ihr auch immer die aktuellsten Kollektionen beider Marken mitverfolgen könnt – und auch das ein- oder andere bestellen könnt.

 

Li-Paro auf Facebook und Rumour & Whisper auf Facebook

 

Fotograf: Momo Kyuuke